Deutsche Meisterschaft und 5. Netzer Highland Games

Saison-Highlight am Edersee

Am zweiten August-Wochenede kam die Highland-Games-Saison zu ihrem Höhepunkt. Veranstalter Clan Ironforge hatte Teams und Einzelstarter zur Deutschen Meisterschaft bei den fünften Netzer Highland-Games ins nordhessische Waldeck-Netze eingeladen.

Der Kamener Clan Ironforge e.V. richtete im Rahmen der fünften Netzer Highland Games die Deutschen Meisterschaften der Teams, der Masters Damen, der Masters Herren sowie die Deutsche Meisterschaft der Junioren aus. Das Gros des Equipments mit Baumstämme, Gewichten und Hochwurfgestänge hatte Gastgeber Perry Förster, Betreiber des Pfannkuchenhauses im Alten Netzer Bahnhof, bereits einige Tage vorher vom Trainingsgelände im Kamener Steinacker abgeholt. Dass das Event die Ausmaße einer deutschen Meisterschaft bekommen würde, hatte selbst ihn überrascht.

„Um ehrlich zu sein, wollten wir die Games dieses Jahr schon ausfallen lassen, weil in diesem Sommer in der Region schon extrem viele Termine anstehen.“ Parallel jedoch hatte die Obrigkeit des Deutschen Highlandgames-Verbandes andere Pläne geschmiedet: Die Bedingungen in Netze, so befand man, seien ideal für die Deutsche Meisterschaft. Das hatten die Spiele der vergangenen Jahre gezeigt, seit der Clan Ironforge 2010 anlässlich des 100-Jährigen Jubiläums des Netzer Bahnhofs hier das erste Mal Games ausgerichtet hatte.

Alexander Dißel, erster Vorsitzender vom Clan Ironforge: „Die Anlage, das Ambiente, die Wiese und das Material sind in jeder Hinsicht für unsere Zwecke nahezu perfekt, wie uns auch diesmal die Athleten und Offiziellen bestätigten.“ Die Wiese in direkter Nachbarschaft zum Pfannkuchenhaus, die eigentlich für Heu und Silage genutzt wird, hatte Perry ab Anfang Juli mit drei Mäh-Durchgängen pro Woche akribisch vorbereitet. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Eine Wiese – gleich einem Englischen Rasen – wartete darauf, mit Baumstämmen, Wurfhämmern und Gewichten malträtiert zu werden.

Standesgemäß läuteten am Samstag die „Green Pipers Korbach“ zusammen mit „The First Guards of St. Kilian“ die Deutschen Meisterschaften der Teams ein. Unterm Klang der Dudelsäcke und Trommeln zogen die Sportler ein und wurden in gewohnt humorvoller Weise vom Moderator und 1. Vorsitzender des deutschen Highlandgames Verbandes, Jürgen Stickelbrock, vorgestellt.

14 Teams, darunter bekannte Mannschaften aus ganz Deutschland und fünf lokale, traten am Samstag gegeneinander an. Bis zur finalen Disziplin, dem Tauziehen, lagen drei Mannschaften bis auf vier Punkte beisammen, so dass die Entscheidung über den Deutschen Meister quasi „fünf vor zwölf“ fiel. Bei der Siegerehrung war der Jubel bei den „Stoneheads“ vom 1. Nettetaler Highland-Games-Verein besonders groß, denn nach etlichen Vizetiteln konnten die Jungs diesmal endlich ganz oben aufs Podest klettern. Den zweiten Platz belegten die „Celtic Warriors“ aus Raunheim, dritter wurde der „Clan Ironforge“. Unter den Amateurmannschaften triumphierten „Die Waschbärbäuche“ vor dem Team der Feuerwehr Netze und den Kämpfern vom KSC Netze auf dem dritten Platz.

Am Sonntag stiegen die muskelbepackten Einzelstarter der „Heavies“ in den Ring: Neun Masters Herren, fünf Masters Frauen und drei Profis im Open-Heavy-Wettkampf. Bei den Damen siegte Michaela Pennekamp, die unter der Flagge des Clan Ironforge und des Nettetaler Highland Games Verein kämpft, vor Petra Müller vom ASV Ludwigsburg Oßweil und Silvia Römer von den Highlandern vom Niederrhein.

Bei den Herren dominierte Andreas Deuschle, der sogar seinen eigenen Deutschen Rekord im Hochwurf mit dem 19-Kilo-Gewicht brechen konnte: Im dritten Versuch gelang es ihm, 5,50 Meter zu überwerfen. Auf dem zweiten Platz folgte Bernd Wolf vom Nettetaler Highland Games Verein, Dirk Mertins vom Clan Dragonfighters landete auf Platz drei und Ironforge-Sportler Markus Komischke auf Platz vier. Den zweiten Platz in der Gesamtwertung belegte Franz Ritter aus der Schweiz. Bei den Profis der „Open Heavies“ landete Yves Gerlinger vom Clan Ironforge auf dem ersten Platz, Clan-Oberhaupt Alexander Dißel belegte Platz zwei und Clan-Kollege Stefan Krämer errang Platz drei.

Ein emotionaler Höhepunkt für die „Ironforge-Familie“ war die Ehrung von Nachwuchs Leon Schwan als Deutscher Juniorenmeister. Der 15-Jährige, der seit 2009 Mitglied ist, stellte nebenbei im Gewicht-Weitwurf, dem „Weight for distance“, sowie in seiner Lieblingsdisziplin, dem Steinstoßen, neue persönliche Bestleistungen auf. „Ich habe den Wettkampf natürlich mit viel Aufregung verfolgt“, berichtet Mutter Eva Schwan im Anschluss. „Als sein Vater Jens ihm mit Tränen in den Augen den Pokal übergab, waren wir alle zutiefst gerührt.“ Kleiner Wehrmutstropfen: Beim Cabertoss, also dem Baumstammüberschlag, rutschte Leon der Baumstamm weg und traf seine Schulter. Die Röntgenbilder zeigten jedoch keine Knochenbrüche.

„Ich hätte nicht gedacht, dass ich schon 2014 deutscher Meister werde“, resümiert der junge Highlander, der jetzt umso motivierter ist. „Ich möchte den Titel nächstes Jahr verteidigen und bis dahin weiter Erfahrungen als Einzelstarter sammeln. Besonders in der Disziplin des „Schottischen Hammers“ gibt es für mich noch viel zu lernen. Außerdem werde ich das Training jetzt intensivieren auf wöchentlich zwei Mal Fitnessstudio und zwei Mal Techniktraining auf dem Platz. Aber ich starte auch gern im Team und werde mit den anderen an den Start gehen, wenn die Mannschaft mich braucht.“

Das unübersehbar riesige Banner, das Perry Förster an der Hauptstraße im Ort gespannt hatte, zeigte an beiden Tagen Wirkung: Neben gezielt angereisten Zuschauern blieben auch etliche Ausflügler, Radfahrer und Motorradfahrer spontan hängen. Gefesselt von den Wettkämpfen saßen viele stundenlang am Rande des Wettkampfareals.

Zwischendurch konnte man sich auf dem liebevoll hergerichteten Gelände am alten Bahnhof die Beine vertreten, wo mit Hüpfburg, Spielplatz, Verpflegungsständen und Musik für Unterhaltung für Groß und Klein gesorgt war. Ein Schwein am Spieß verströmte nicht nur rustikalen Duft, sondern war auch adäquate Kost für die stattlichen Athleten.

In der Mittagspause wurden den Zuschauern weitere Programm-Highlights kredenzt: Am Samstag war Hobby-Schäfer Tom Daume mit seinen Border Collies und Schafen angereist und demonstrierte bei einer Vorführung auf beeindruckende Weise die Intelligenz und den Arbeitseifer der Hütehunde.

Sonntags stand das Tauziehen gegen ein Rheinisch-Deutsches Kaltblut auf dem Programm. Die Idee, den gewaltigen Kawenzmann gegen starke Highlander antreten zu lassen, kam vom Netzer Kaltblutzüchter Reinhard Rausch persönlich. Die Auftaktrunde gegen drei kräftige Herren ging ganz klar ans Pferd. Erst in der dritten Runde gegen zehn Erwachsene und vier Kinder musste sich das Kutschpferd geschlagen geben.

Clan-Vorsitzender Alexander Dißel zeigt sich nach den Games erschöpft, aber begeistert: „Alles in allem war es für alle ein perfektes Wochenende. Die Athleten, Mannschaften und auch wir vom Clan Ironforge sind super zufrieden. Schon jetzt kamen erste Anfragen, ob 2015 wieder Highland Games in Netze stattfinden werden.“

Werden sie, denn auch Gastgeber Perry Förster zieht ein positives Fazit: „Von Jahr zu Jahr sind die Games gewachsen, und auch diesmal haben wir mehr Teilnehmer und Besucher gezählt. Die Games in Netze werden auch weiterhin stattfinden. Für 2015 müssen wir nur noch einen geeigneten Termin finden.“

Weitere Bilder folgen bald in der Galerie.

Text: Sophie Leistner, Fotos: Sophie und Erik Leistner

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